Von Einsamkeit und der besten Rösti im Bündnerland

Geschafft! Das Berghaus ist in Sichtweite. Wir befinden uns auf der Davoser Stafelalp auf 1894 m. ü. M. Es ist Januar und wir sind im langersehnten Winter angekommen. Der Schnee liegt wie bleierne Watte auf den Tannen. Bleiern sind auch meine Beine nach unserem Marsch durch den Wald. Verschwitzt stapfen wir die letzten Meter durch den knirschenden Schnee. Mit angelaufener Brille taste ich mich durch den Eingang der Berghütte, die – wie ich später erfahren darf – bereits stolze 250 Jahre hinter sich hat. Auf den ersten Blick fällt auf, da ist jemand am Werk: Auf einem Holztisch neben der Eingangstür liegen Bohrer und Kartonkisten. Was sich im Obergeschoss befindet, lässt sich nicht erahnen.
 
Eine Gaststube voller Gegensätze
hinter einer steilen, knarrenden Holztreppe versteckt sich die warme Gaststube. Dort sitzt der Hauswirt Kurt vor einem Notebook. Die Digitalisierung hält auch in einer 250-jährigen Bergbeiz Einzug. Dankbar nehmen wir an der Wärme Platz. „Was willst du trinken?“, fragt er in einem für mich undefinierbaren Dialekt. „Und du? Und du? Wir bestellen Apfelpunsch. Ich freue mich umso mehr darauf, als ich erfahre, dass er hausgemacht ist. Kurt scheint ungeduldig zu sein: „Was treibt die andere dort draussen im Gang? Muss ich ihr sagen, dass ich das Zeug nicht gerne zwei Mal erzähle?“ Lachen. Wir warten noch auf Anna. Auf etwa 25 m2 sind 5 Esstische verteilt. An den Fensterchen hängen graue, blau bestickte Vorhänge. Vor mir ein Rechaudkerzchen auf Kaffebohnen in einem Einmachglas. An der Wand ein Bild von Kirchner. Ich durchschaue das Dekorationskonzept nicht. Doch dann fallen sie mir auf. Herzen. Über dem Dessertbüffet hängt eine Überschrift: „Äppis zum schlähnen.“ Darüber eine Reihe von verschiedenfarbigen und gemusterten Herzchen. Vor mir am Balken befinden sich dieselben Herzchen. Dieses Mal nicht auf Papier gedruckt, sondern aus Stoff. Und Schliesslich hängt auch am Bücherregal ein weisses Herz. Wir sind nun vollständig und während wir auf den Punsch warten, beginnt Kurt zu erzählen. Wenn man ihm zuhört, wird schnell klar, dass das Herz überall dabei ist.
 

„Das ist mein Traumjob“
Wie viele andere träumte auch Kurt von einem anderen Leben. Seinen Traum erfüllte er sich, als er die Ausbildung zum Hüttenwart absolvierte und vor 15 Monaten die Berghütte Stafelalp übernahm. Er berichtet über die Vielseitigkeit seiner Arbeit und, dass ihn das Leben als Hüttenwart erfüllt. Vor allem seine Liebe zum Kochen kann er hier ausleben. Kurt hält fest: „Kochen ist kreativ und wenn man sich dafür die nötige Zeit nimmt, ist es eine geile Arbeit.“ Eine qualitativ hochwertige Küche sei ihm ein grosses Anliegen. Sein Ziel: die beste Rösti im ganzen Bündnerland servieren. Kurt lächelt verschmitzt. Ich bestelle selbstverständlich Rösti.
 

Wir wollen wissen, was Kurts prägendste Begegnung seit seiner Tätigkeit als Hüttenwart war. Mit leuchtenden Augen erzählt er von einem Eichhörnchen das wie durch ein Wunder eines Tages an seiner Hauswand hochkletterte. Auf die Frage, ob Kurt sich hier oben einsam fühlt, seufzt er. Er spricht von der Aussicht und den Tieren. Wir haken nach. Er seufzt erneut und meint: „Es gibt keinen schöneren Ort auf dieser Welt. Das ist mein Traumjob.“ Ich frage mich, warum ich ihm das nicht ganz abnehme.
 

Zeit für den Abschied
Das Essen wird serviert. Es duftet nach Kindheit. Auf der Serviette lacht mir ein Herz entgegen und ich geniesse die beste Rösti seit langer Zeit. Auch das vom Gastgeber offerierte Dessert schmeckt vorzüglich. Die pinkfarbene Creme erinnert an ein Orangentiramisu. Wir möchten nicht nach Hause, doch die Textakademie wartet nicht. Rechtzeitig zum Abschied lacht uns die Sonne entgegen und wir bedanken uns beim Wirt für seinen herzlichen Empfang. Zurück geht’s auf dem Schlitten und während ich den Berg hinuntersause, werde ich die Frage nicht los: Wo ist der Haken?
 

Mamas Herz schlägt für Parfum

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